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Pfingstsonntag, 31. Mai 2020, 17:00 Uhr Abendmusik in der Schlosskirche zu Wittenberg – Geistlicher Impuls

Liebe Gemeinde,

Pfingsten - sind die Geschenke am geringsten, so lautet ein Sprichwort. Es kann ergänzt werden: Doch an Geist gibt’s dann das meist!

Den Geist der Wahrheit verheißt uns Christus, er soll uns ein Tröster sein. Und vom Feuer der göttlichen Liebe spricht ein alter Pfingsthymnus.

Pfingsten in Zeiten von Corona: Die Geburtstagsfeier der Kirche mit Gesichtsmaske, mit Abstand zum Nächsten und ohne gemeinsames Singen.                                                                       

Welcher Geist verschafft sich Raum in dieser Zeit?

Ist es denn wahr, dass dieses Virus so schlimm ist oder ist alles eine Lüge, die bestimmten Absichten dient? Diese Frage wird hierzulande auf manchen Demonstrationen gestellt. Sie schürt den Geist des Misstrauens und der Angst.                                                                                                

In Tansania gibt es eine Kirche, die sagt, der beste Schutz gegen Corona sei ein starker Glaube. Wer krank wird, hat zu wenig geglaubt. Solch eine Botschaft ist verantwortungslos und unchristlich. Sie befördert einen Geist der Furcht.

Mitunter hört man auch, die Pandemie sei eine Strafe Gottes. Damit wird ebenfalls Furcht verbreitet. Jesu Botschaft war eindeutig. Mit drei Worten begrüßte der Auferstandene seine Jüngerinnen und Jünger: „Fürchtet euch nicht!“

Seit einem Vierteljahr beschäftigt uns der Ausbruch des Virus. Es gibt viele Theorien. Es gibt viele Erklärungen. Es gibt viele Geister, die ihr Unwesen treiben. Doch es geht um einen Geist. Um Gottes Geist, den Tröster, das Feuer der Liebe, den Geist der Wahrheit.

EG 136, 1 von Kantor Thomas Herzer gesungen:

O komm, du Geist der Wahrheit,
und kehre bei uns ein,
verbreite Licht und Klarheit,
verbanne Trug und Schein.
Gieß aus dein heilig Feuer,
rühr Herz und Lippen an,
dass jeglicher getreuer
den Herrn bekennen kann.

Es ist wahr, dass der Ausbruch von Corona mit unserer Art zu leben zu tun hat. Mit dem Versuch, in Laboren das Geheimnis des Lebens zu entschlüsseln. Mit der Globalisierung der Wirtschaft. Mit unserem Umgang mit der Erde. Mit der Jagd nach immer mehr Profit. Es ist wahr, dass wir nicht so weiter machen können. Dass Normalität neu definiert werden muss. Wir brauchen Gottes Geist, den Geist der Wahrheit.

Es ist wahr, dass in unserem Land weit über 8000 Angehörige trauern, weil sie einen lieben Menschen verloren haben. Es ist wahr, dass alte und kranke Menschen durch die Kontaktverbote leiden.  Es ist wahr, dass Kinder und ihre Eltern gelitten haben, weil sie die Wohnungen kaum verlassen konnten.  Wir brauchen Gottes Geist, den Tröster.

Es ist wahr, dass sich viele Menschen einander liebevoll zugewandt haben. Dass für ältere Menschen eingekauft wurde. Dass Nachbarschaftshilfen entstanden sind. Dass abends regelmäßig gesungen und musiziert wurde. Dass Gemeinden sich auf neue Wege begeben haben. Wir brauchen Gottes Geist, das Feuer der Liebe.

Pfingsten vor 2000 Jahren: In einem Durcheinander an Sprachen verschaffte sich eine Botschaft immer mehr Raum: Ihr Menschen, ganz gleich, aus welchem Land, welcher Kultur und welcher Religion ihr kommt, ihr alle werdet von Gott geliebt. Darauf könnt ihr vertrauen. Für euch alle gibt es neue Aussichten.

Pfingsten 2020: In einem Durcheinander an Deutungen, Erklärungen und Theorien setzt sich eine Erkenntnis immer mehr durch: Wir Menschen sind nicht Schöpfer, sondern Geschöpfe. Es ist unsere Aufgabe, Leben zu schützen und die Erde zu bewahren.

Darum erfüllt die Worte Jesu mit Leben: Liebt Gott, der Euch das Leben schenkt. Liebt euch selbst – als Geschöpfe dieses Gottes. Liebt eure Mitmenschen – als Geschöpfe des gleichen Gottes. Dann gibt es für uns alle neue Aussichten!

Komm, Geist der Wahrheit! Komm, unser Tröster! Komm, Feuer der Liebe!

Pfingsten sind die Geschenke am geringsten – doch Gottes Geist gibt’s dann am meist!                                                                                  

Amen.

EG 136, 7, gesungen von Kantor Thomas Herzer:

Du Heilger Geist, bereite
ein Pfingstfest nah und fern;
mit deiner Kraft begleite
das Zeugnis von dem Herrn.
O öffne du die Herzen
der Welt und uns den Mund,
daß wir in Freud und Schmerzen
das Heil ihr machen kund
.

Fürbitten

Geist der Wahrheit, kehre ein in das Denken der Menschen. Sorge für klare Gedanken und einen wachen Blick. Hilf uns, zu unterscheiden, wem wir trauen und vertrauen können. Bring Deinen frischen Wind in unser Leben!

Tröster, Heiliger Geist, sei nahe allen Menschen, die um Angehörige trauern. Sei nahe allen, die in Sorge um liebe Menschen sind. Sei nahe allen, deren Existenz gefährdet ist, die nicht wissen, wie es weitergeht. Bring Deine tröstende Wärme in unser Leben!

Feuer der göttlichen Liebe, komm in die Herzen der Menschen. Entzünde in ihnen Deine Flammen. Gib uns brennende Herzen, die sich dem Nächsten zuwenden und Dir damit die Ehre geben. Bring Dein Liebes-Feuer in unser Leben!

Pfarrer Joachim Zirkler, Studienleiter am LWB – Zentrum Wittenberg

  

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